Visual RE – Was ist das? & Wozu ist das gut?

Visual RE – Was ist das? & Wozu ist das gut?

Visuel RE ist ein Set an Denkweisen und Methoden, die in der Produktentwicklung helfen, schneller ein gemeinsames Verständnis zu erreichen.

Der Begriff Visual RE steht zunächst mal für
Requirements Engineering mit visuellen Methoden“.
Visual RE steht aber auch für
Requirements Exploration, also einen iterativen Prozess, in dem wir mit Hilfe schneller Feedbackzyklen herausfinden, was der Anwender wirklich braucht.

Requirements Engineering wird ja nun schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Wozu braucht es jetzt eigentlich Visual RE?

Visual RE adressiert im Wesentlichen die folgenden zwei Punkte:

  1. Das Gesamtbild ständig vor Augen zu haben.
  2. Unterstützen eines kontinuierlichen Dialogs mit dem Ziel des gegenseitigen Verständisses.

Informationen, die irgendwo abgelegt werden, sind nicht mehr präsent.
Aus den Augen aus dem Sinn. Visuell arbeiten bedeutet also, das Gesamtbild ständig vor Augen zu haben und aktiv damit zu arbeiten.

Das fördert zielgerichtetes Arbeiten, weil man den Kontext besser einsortieren kann. Außerdem wird kooperatives Arbeiten optimal unterstützt.

Beispiel dafür ist ein Kanban-Board, in dem die Arbeit eines Team visuell abgebildet ist und jeder im Team sehen kann, welche Arbeit gerade von wem in welchem Schritt bearbeitet wird. Sehr hilfreich z.B., wenn mehrere Personen (Product Owner, Requirements Engineers, UX-Experten, etc.) gemeinsam an Anforderungen zu einem Produkt arbeiten. Ein weiteres Beispiel, welches noch näher am Kontext des Anforderungsmanagement ist, wäre die Story Map. Dieses visuelle Arbeitsmittel stellt auf sehr übersichtliche Art und Weise die Zusammenhänge von Anforderungen und Releases gleichzeitig mit den Arbeitsschritten des Anwenders in einem Bild dar. Ein großer Wert ist hier die Präsenz der Story Map im Teamraum. Hier haben wir schon oft erlebt, wie sich am Board ein lebhafter Dialog um fehlende und ggf. auch überflüssige Features entwickelt hat.
Visual RE stellt alle bekannten Methoden, die solche Art von Vorgehensweisen unterstützen in einen Gesamtzusammenhang.

Im RE geht es des weiteren darum, gegenseitiges Verständis zwischen dem, der ein Produkt wünscht und dem, der das Produkt herstellen soll zu erreichen. Also viel Kommunikation. Erwiesenermaßen ist die Verwendung von bildhaften und optisch strukturierten Informationen deutlich effektiver, als rein sprachlich oder textuell präsentierte Information.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass leider viel zu viele Requirements-Prozesse darauf abzielen, Information zuerst möglichst vollständig zu sammeln und dann zur Entwicklung oder Weiterverarbeitung über den Zaun zu werfen.
Ein typisches Antipattern dokumentenzentrierter Vorgehensweisen.
Dies dient eben nicht dem gegenseitigen Verständis, sondern eher nur der eigenen Absicherung.
Visuelle Methoden fokussieren von Anfang an auf einen gemeinsamen Entstehungsprozess. Bilder und visuell unterstützende Techniken wie z.B. MindMaps, Canvas oder z.B. auch Papier-Prototypen beschleunigen dabei -direkt im Dialog- die Feedbackschleifen und reduzieren so Missverständnisse. Durch die Verwendung explizit unvollständiger und erklärungsbedürftiger Bilder ensteht im Dialog nach und nach ein gemeinsames Bild. Dieses Prinzip, welches zunächst paradox erscheint, lässt sich sowohl im phasenorientierten, als auch im agilen Vorgehen einsetzen, um gegenseitiges Verständis zu erzeugen.

Um es klarzustellen: Die hier beschriebenen Techniken sind nicht von Grund auf neu, sondern stellen die Prinzipien visuellen Arbeitens im Kontext der Ermittlung, des Managements und des Erkunden von Anforderungen in den Vordergrund. Außerdem bringt es existierende Methoden und Techniken in einen größeren Gesamtzusammenhang.
Kurz: Visual RE